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In Beziehung bleiben mit Deinem Kind

 
 

In meinem letzten  Beitrag habe ich über das Thema Bedürfnisse gesprochen.  Manchmal fällt es uns schwer unsere Bedürfnisse wahrzunehmen. Wenn  in einer Familiensituation verschiedene Bedürfnisse aufeinanderprallen, ist der Konflikt oft vorprogrammiert. Vielleicht kommt Dir das auch bekannt vor?

Ein typisches Beispiel aus meinem Familienalltag  ereignet sich bei uns fast jeden Morgen. Wenn ich mein Kind in den Kindergarten bringen möchte, habe ich ein sehr starkes Bedürfnis pünktlich zu sein. Meine Tochter sieht diese Dringlichkeit so gar nicht.  Sie möchte viel lieber in Ruhe noch etwas malen oder mit ihrer Schwester spielen….

Das ist eine klassische Situation, in der unsere Bedürfnisse nicht gut zueinander passen.

Das typische Drama, wenn ich es nicht schaffe in Beziehung mit meinem Kind zu bleiben, beginnt...

Wenn  Hektik und  Zeitdruck dazu kommen,  beginnt das „Drama-Programm“, das in meiner Wahrnehmung bei vielen Familien ähnlich verläuft.

Die verschiedenen Bedürfnisse stoßen aufeinander, und der  erste Krach des Tages lässt grüßen. Super Start für alle Beteiligten….

Ich empfinde es als besonders wichtig in solchen Bedürfniskonflikten in Beziehung mit meinem Kind zu bleiben, um das Drama zu mindern, vielleicht sogar zu verhindern.

Denn wie läuft es  klassisch ab, wenn ich mir die Situation eben NICHT BEWUSST mache, also nicht auf die Beziehung zu meinem Kind achte?

In meinem Beispiel könnte es dann so weitergehen: Mein Druck wird immer größer je später es wird. Meine schlechte Laune steigt, weil ich unbedingt pünktlich sein möchte. Überhaupt hatten wir diese Situation doch schon 1000 mal….Warum hat mein Kind das denn noch immer nicht begriffen?         

So oder so ähnlich geht mein Gedankenkarusell los. Irgendwann bleibt es nicht mehr bei den Gedanken, und es platzt aus mir heraus!

Nun fange ich an mein Kind zu drängen, dann irgendwann schimpfe ich laut und lauter, weil sie immer noch nicht schneller macht.  Irgendwann platzt dann meinem Kind der Kragen, und es gibt  einen handfesten Streit.  So verrinnt die Zeit weiter und weiter und weiter….  Aber wir sind keinen cm vorwärts gekommen Richtung Tür!

Irgendwie und irgendwann unter lautem Gebrüll und schlechter Laune auf allen Seiten sitzen wir dann doch im Auto. Rückblickend weiß ich  manchmal nicht mehr, wie wir das  jetzt geschafft haben.

Also: wenn die Situation so abläuft, dann ist es mir mit Sicherheit nicht gelungen mit meinem Kind in Beziehung zu bleiben.

Was bedeutet es, wenn ich mich entscheide mit anderen in Beziehung zu bleiben?

Wenn ich in Beziehung bleibe, dann ist mir zunächst einmal bewusst, dass der andere Mensch- in dem Fall mein Kind- das Recht darauf hat, ein anderes Bedürfnis zu haben als ich. Oder eine andere Meinung zu haben, andere Vorlieben, andere Prioritäten…

Ich erkenne an, dass mein Kind nicht die gleichen Ziele, nicht die gleichen Bedürfnisse, und nicht die gleichen Empfindungen haben muss wie ich.                                                                                                             

Warum auch? Mein Kind ist ein eigenständiger Mensch! Wenn ich wie in meinem Beispiel mein Kind unter Druck setze, indem ich es zwinge oder manipuliere (wir Erwachsen können da ja sehr kreativ sein…..), dann behandle ich eben mein Kind nicht wie einen eigenständigen Menschen mit gleichen Rechten;

ich behandle mein Kind nicht wie ein gleichwertigen Menschen, wie ein Subjekt, sondern in dem Fall mache ich mein Kind zum Objekt.

Ich nehme mir das Recht heraus, dass mein Kind mir zu folgen  hat. Ich erwarte, dass es sich meinen Wünschen unterzuordnen hat. Und am besten widerstandslos!

Damit mache ich mein Kind zum Objekt: meine Handlungen, Worte, Drohungen usw. sollen dafür sorgen, dass mein Kind tut, was ich erwarte.

Das merkt das Kind auch, und es gefällt ihm nicht. Oh Wunder….

Dieses Verhalten untereinander -was ich gerade mit Subjekt und Objekt beschrieben habe- geschieht  sehr oft in Kommunikation mit anderen. Nur fällt es uns meistens nicht auf.

Ob das  in der Beziehung zu meinem Kind ist, in der Beziehung zu meinem Partner, zu meinem Arbeitskollegen,zu meinen Freunden, zu meinen Nachbarn: Immer wenn ich erwarte, dass mir der andere folgt,( d.h. meine Erwartung erfüllt, ohne zu berücksichtigen, dass er das Recht dazu hat die Dinge anders zu sehen) dann mache ich den anderen zum Objekt.

 In diesem Fall bin ich nicht mehr in Beziehung mit dem anderen Menschen.

In Beziehung mit einer anderen Person befinde ich mich, wenn

  • wir uns verbunden fühlen,
  • wir uns gegenseitig sehen mit unseren Bedürfnissen,
  • wir uns sehen in unserem Anders sein,
  • wir den anderen so lassen können wie er ist

In einer Beziehung  entsteht Vertrauen. Und in Vertrauens- Momenten ist es so, dass wir uns gerne mit dem anderen auseinandersetzen. Dann beteiligen wir uns gerne daran mit dem anderen ein gemeinsames Ziel zu verfolgen.

In dem Beispiel habe ich meine Tochter unter Druck gesetzt, damit sie sich schneller anzieht und mit mir in das Auto zu steigt. Da war ich natürlich nicht in Beziehung. Ich habe meine Bedürfnisse und meine Erwartung über ihre gestellt. Die Folge war, dass meine Tochter rebelliert hat, weil sie sich nicht gesehen gefühlt hat. Wir waren nicht mehr in Beziehung- wir waren nicht verbunden -und meine Tochter hatte nun überhaupt keine Lust mehr mit mir zu kooperieren. Also hatte sie auch keine Lust mit mir das gemeinsame Ziel zu verfolgen.

Übrigens: wenn ich die Situation auf mein Partner übertrage, wird mir das ganze immer viel klarer:

Stell Dir vor,  Du möchtest mit Deinem Partner ins Theater gehen. Er hat darauf überhaupt keine Lust und möchte mit seinen Kumpels zum Fußball. Du bist nun sehr enttäuscht, weil Du das Bedürfnis nach gemeinsamer Paarzeit hast. Dein Partner jedoch möchte mal wieder Zeit mit seinen Freunden verbringen.

Wie verhältst Du Dich jetzt? Fängst Du an ihn unter Druck zu setzen? Sagst Du Sachen wie:  „Wenn du jetzt nicht mit mir ins Theater kommst, dann gibt es einen Monat lang keinen Sex mehr?“ Beschimpfst Du ihn?  Machst Du ihm Vorwürfe, dass er  nie Zeit für Dich hat?

Natürlich kannst Du all diese Strategien wählen. Vielleicht hast Du das  schon mal so ausprobiert. Aber was ist dann passiert? Warst Du mit Deinem Partner dann noch in Beziehung, d.h. wart Ihr verbunden? Hatte Dein Partner dann noch Lust mit Dir einen Kompromiss zu besprechen, und das gemeinsame Ziel zu verfolgen (wie können wir mal wieder eine schöne Paarzeit verbringen)? Ich vermute eher nicht.

Nun ist die Frage: warum fällt uns das in Bezug auf unseren Partner leichter zu verstehen und umzusetzen? Also das Erkennen, wie wir uns verhalten müssen, um mit ihm in Beziehung zu bleiben? Warum haben wir ein anderes Denken als gegenüber unseren Kindern?

Ich glaube, in vielen Köpfen ist noch drin, dass unsere Kinder   zu gehorchen haben. Wir sind die Erwachsenen und sie sind ja nur die Kinder, also haben sie gefälligst zu hören.

Wenn wir diese Haltung einnehmen, geht das immer auf Kosten der Beziehung zu unserem Kind.  Die Verbundenheit in diesen Momenten schwindet, das Vertrauen bröckelt.

Ich will damit nicht sagen, dass es nicht auch  sinnvoll sein kann, wenn unsere Kinder uns folgen. Ja, natürlich gibt es auch dafür viele Situationen. Gerade wenn wir unsere Kinder schützen wollen.

Wir sind die Erfahrenen, also ist  es unsere Verantwortung sie zu begleiten und ihnen die Richtung zu zeigen.

Aber die Frage ist, wie setzen wir das um? Mit Druck? Oder in Beziehung?  Was werden die Folgen auf Dauer sein, wenn wir uns für die eine oder die andere Möglichkeit entscheiden?

Ich empfinde das Bild eines führenden, empathischen Erwachsenen besser als einen Erwachsenen, der grundsätzlich darauf besteht, dass die Kinder immer zu folgen haben. Egal in welcher Situation, und egal mit welchen -auch langfristigen- Auswirkungen auf die Beziehung. Und wie legitmieren wir das?  Einfach nur weil das Kind eben klein ist? Und nur ein Kind? Und sich dem Erwachsenen unterzuordnen hat?

Vielleicht beobachtest Du Dich im Alltag einmal: Wann machst Du Dein Kind zum Objekt? Oder Deinen Partner?

Wie bleibe ich in Beziehung bei einem Konflikt- ein Alltagsbeispiel

Um wieder auf das Beipiel mit dem Anziehen und dem Pünktlichsein zurück zu kommen: wie bleibe ich da konkret in Beziehung zu meinem Kind? ABER auch zu mir selbst?

Erst einmal hat mir die Erfahrung gezeigt, dass ich wesentlich mehr Zeit einplanen muss am Morgen. Ich rechne immer damit, dass meine Tochter mehr Zeit braucht: mehr Zeit zum Anziehen, mehr Zeit zum Frühstücken, mehr Zeit zum Spielen, mehr Zeit um noch mal mit mir zu quatschen und mit mir zu kuscheln…

Das ist meine Verantwortung als vorausschauender Erwachsener diese Zeit einzuplanen. Damit meine Tochter morgens nicht gehetzt wird. Sondern damit sie Zeit bekommt ihre eigenen Bedürfnisse auszuleben.

Wenn die Zeit immer noch nicht reicht, und sie immer noch nicht in den Kindergarten möchte, versuche ich mit ihr ins Gespräch zu kommen.

Was steckt denn dahinter? Geht es wirklich nur darum dieses eine Bild noch zu Ende zu malen, und dann zieht sie sich freiwillig an? Oder geht es vielleicht darum, dass sie heute einmal  Hilfe beim Anziehen möchte- obwohl sie das alles schon wunderbar alleine kann? Oder geht es darum, sich etwas alleine aus dem Kleiderschrank auszusuchen? Oder geht es vielleicht darum, dass sie einfach mal keine Lust hat? Was ich absolut verstehen kann. Ich habe auch nicht jeden Tag Lust zur Arbeit zu fahren, oder einzukaufen,  oder die Wohnung sauber zu machen.

Es ist so wertvoll, wenn ich erkenne, was konkret dahinter steckt. Denn dann kann ich  darauf eingehen. Vielleicht kann ich es ihr sofort erfüllen, zum Beispiel sage ich ihr: „Ok, dann suchst du dir eine eigene Hose aus.“ Dann fühlt sie sich verstanden,  und wir können mit guter Laune ins Auto steigen.

Oder es geht darum, dass sie  einfach  müde ist, und dass sie etwas von mir umsorgt werden möchte heute. Klar, dann helfe ich beim Anziehen.

Vielleicht ist es auch so, dass sie gar keine Lust hat in den Kindergarten zu gehen. Nun stellt sich die Frage, ob ich ihr dieses Bedürfnis erfüllen will? Oder geht es halt heute nicht, weil ich arbeiten muss, oder weil ich einen dringenden Termin habe.

Oft ist es so, dass ich ihr diesen Wunsch nicht erfüllen kann.  Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es  darauf meistens nicht ankommt!

Es kommt darauf an, dass unsere Kinder sich verstanden fühlen. Das heißt wir können unser Verständnis für ihre Unlust zeigen, und  können erklären, dass Mama gern zur Arbeit möchte. Ich habe verstanden, dass mein Kind zum Beispiel mal wieder Mama -Zeit haben möchte. Dann können wir  mit dem Kind einen anderen Termin vereinbaren für eine gemeinsame Aktivität, um dieses Bedürfnis nachzuholen.

Und oft- ich sage nicht immer-mag das Kind dann viel lieber mit uns kooperieren. Sie hören dann auch länger zu. Eben weil wir mit ihnen in Beziehung sind, und wir ihnen gezeigt haben, dass wir ihre Bedürfnisse  anerkennen.

Das Drama, das Schimpfen, bleibt aus.  Das  Kind ist viel eher bereit uns zu folgen. Es muss das immer noch nicht toll finden, mit mir ins Auto zu steigen.  Das ist sein gutes Recht! Aber die Chance ist groß, dass unser Kind mit uns diesen Kompromiss eingeht, weil wir mit ihm wertschätzend umgehen. Es gibt uns dann seine Wertschätzung damit zurück.

Alle gewinnen, wenn wir verbunden bleiben

Was wollen wir unserem Kind vorleben? Wie soll unser Kind später selbst  als erwachsene Person zum Beispiel mit Konflikten umgehen?

Wenn wir unseren Kindern zeigen, wie wir Konflikte in Beziehung lösen

  • indem wir auf unsere gegenseitigen Bedürfnisse Rücksicht nehmen,
  • indem wir versuchen zu verstehen wo der andere sich gerade befindet,
  • indem wir respektieren, dass der andere eine andere Sicht auf die Welt haben darf,

dann besteht die große Chance, dass unser Kind später mit Konflikten konstruktiv umgeht.

Wenn wir uns keine Zeit nehmen,

  • um die Bedürfnisse unseres Kindes zu sehen,
  • unser Kind nicht als gleichwertigen Menschen betrachten,

dann besteht die große Wahrscheinlichkeit, dass unser Kind später mit anderen genauso im Konfliktfall umgehen wird.

Vielleicht erwischst Du Dich in Deinem Alltag in solch einer Situation mit Deinem Kind oder mit Deinem Partner. Und Du merkst, dass Du versuchst dem anderen etwas überzustülpen: Deine Meinung, Deine Überzeugung…

Vielleicht erinnerst Du Dich dann daran, wie wertvoll es ist, mit dem anderen in Beziehung zu bleiben: Ihn als eigenständigen Menschen zu sehen.  Dass er ein Recht darauf hat, eine andere Sicht auf die Dinge zu haben. Oder dass der andere gerade in dem Moment ein ganz anderes Bedürfnis haben darf als Du.

Test einmal aus, was passiert, wenn Du versuchst, mit dieser Person in Beziehung zu bleiben. Versuche die andere Person zu sehen, und abzugleichen in wie weit das mit Deinen eigenen Bedürfnissen zusammenpasst, oder eben auch nicht. Schau, ob Ihr Euch auf ein gemeinsames Ziel verständigen könnt, oder wenigstens auf einen Kompromiss.

Oder ob Du jetzt auf Dich achten möchtest, und Dir selbst treu bleibst. Dabei aber den anderen nicht in seiner Integrität einschränkst.

Ich selber habe gemerkt, dass diese Herangehensweise für mehr Frieden im Alltag -gerade im Familienalltag!- sorgt. Und für mehr Leichtigkeit im Miteinander.

Je öfter Dir es gelingt, dass Du mit Deinem Gegenüber in Beziehung bist, desto vertrauter, enger und intensiver wird diese Beziehung sein.

Dafür Sorge zu tragen, dass gleichwürdige Beziehung stattfindet, dafür trägt jeder selbst die Verantwortung! Halt, ganz wichtig: nicht jeder! Unsere Kinder nicht! Diese Verantwortung können sie noch nicht tragen. Du trägst die Verantwortung für die Beziehungsqualität mit Deinen Kindern! Durch Dein Vorbild werden sie es weiter tragen.

 Versuch es, und vielleicht merkst Du dann die Entspannung, die sich damit einstellt. Bleib dran. Es ist ein Üben. Und das darf es auch sein….!

Wenn Du diesen Beitrag  in Audio-Form hören möchtest, besuche meine Podcast-Seite.

Schreib mir gerne und lass uns austauschen. Du kannst auch über Facebook oder Instagram mit mir in Kontakt treten.

Finde den Weg zu Dir und Deinem eigenen Wohlbefinden (zurück). So trägst Du zum Familienfrieden bei.

Ich wünsche Dir eine bewusste Zeit mit Dir selbst und Deiner Familie.

Alles Liebe,

Deine Melanie

Um in Beziehung mit anderen zu gehen, ist es Voraussetzung die Beziehung mit sich selbst zu pflegen.

Ein Teil Deiner Pflege beinhaltet die Frage: wie wohl fühle ich mich in meinem eigenen Körper?

Hier ist meine Empfehlung für Dein nachhaltiges Wohlempfinden: bewusste Pflege

In Beziehung bleiben mit Deinem Kind

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