Welcher Vater bin ich heute?

Vom knechtenden Versorger zum gefühlvollen Teilzeit-Dad?

„So wollte ich nie werden! Jetzt habe ich schon wieder meinen Sohn angebrüllt. Dass der Kerl aber auch nicht hören kann. Wie oft soll ich mich wiederholen? Auf der Nase herumtanzen, lasse ich mir auch nicht. Mein Vater hätte das niemals durchgehen lassen. Da wäre sofort Ruhe gewesen.

Früher war das alles anders: Mein Vater hat nicht viel gesagt- aber wenn, dann gab es klare Ansagen.

Ich will respektvoll und liebevoll mein Kind begleiten. Aber manchmal bin ich verunsichert, wie das funktionieren soll.“

Wen nehme ich mir als Vorbild?

Die Verunsicherung vieler Männer ist groß: wie ist eigentlich ein liebevoller, zugewandter Vater, der die Kinder gleichberechtigt mit der Mutter begleitet? Ist dieser Vater ein Kumpel, Superman, oder führender Leitwolf?

Was macht einen Vater aus, der in einem guten Kontakt zu seinem Kind ist: Ist er Abenteuer-Dad, Quatschmacher, oder Gefühle-Versteher?

Die Verunsicherung ist verständlich: die Rolle des gleichberechtigen Vaters, der seinen Fokus auf Familienzeit legt und mit in die Gefühlswelt der Kinder eintaucht, ist relativ neu. Viele Männer heute streben diesem Vaterbild nach, hatten in der Regel aber selbst keinen Vater, den sie sich hierfür als Vorbild nehmen können.

Hauptversorger, Familienrichter,
stiller Häuptling

Die klassische Vaterrolle in der Vergangenheit war oft geprägt von Abwesenheit des Vaters im Familienleben. Der Vater war als Ernährer die meiste Zeit in der Arbeit; die Begleitung der Kinder und die Organisation des Familienlebens war Aufgabe der Frau. Somit war der Vater auch raus, wenn es um die emotionale Begleitung der Kinder ging: eine emotional-nahe Beziehung zwischen Vater und Kind blieb oft aus.

Seine Funktion als Oberhaupt durfte er im Familienleben oft vollziehen, wenn es um die Bestrafung der Kinder ging: dann wurde der meist stille Häuptling zum vollstreckenden Familienrichter.

Was interessieren uns heute die alten Rollenbilder?

Oft unterschätzen wir den prägenden Einfluß unserer eigenen Erfahrungen in der Kindheit. Vielleicht auch deshalb, weil wir viele Dinge vergessen haben- manchmal auch vergessen wollten.

Auch wenn häufig der Vorsatz zu hören ist: „Ich mache es ganz anders als mein Vater“, stellen wir doch manchmal erstaunt fest: „Wo kommt das denn nun her? Ich höre mich ja an wie mein eigener Vater…!“

Wir haben alle Prägungen in unserem Leben (vor allem in der Kindheit) mitgenommen, die scheinbar in Vergessenheit geraten sind; in unserem Unterbewusstsein aber immer noch geespeichert sind. Dazu solltest Du wissen: unser Unterbewusstsein trifft ca. 90% unserer Entscheidungen! Wird Dir jetzt klarer, warum wir manchmal wie „ferngesteuert“ funktionieren, und uns anders verhalten als wir uns das im Nachinein gewünscht hätten?

Besonders in Stressmomenten reagieren wir aus dem Unterbewusstsein heraus: dann zeigen sich manchmal die alten Rollenkonserven. Das sind die Verhaltensweisen, die wir so wenig an uns selbst mögen, aber scheinbar wie ein wildes Tier die Macht über uns ergreifen.

Kennst Du das, wenn Du gestresst von der Arbeit kommst, und die Lautstärke Deiner Kinder Dich bereits 5 Minuten nach Deiner Ankunft völlig aus der Haut fahren lässt? Da zeigt es sich, das wilde Tier…. 😉

Wie kann ich mich abgrenzen und meine Rolle selbst leben?

Ich gebe Dir nun meinen besten Tipp, damit Du Dich selbst besser kennen lernst. Was kannst Du tun , um Dich  selbst mehr zu verstehen: beobachte Dich selbst!

  • Wie ticke ich heute als Vater?
  • Wie reagiere ich besonders in Stressmomenten?
  • In welchen Situationen reagiere ich so wie andere es von mir erwarten?
  • In welchen Situationen fällt es mir leicht meinem idealen Vater-Bild zu entsprechen?

Alle diese Fragen (und weitere) kannst Du Dir selbst beantworten, in dem Du Dich  beobachtest. So leicht ist es, und doch oft nicht so einfach umzusetzen.

Wenn Du wirklich bereit bist Dir Deine Vater-Rolle anzuschauen, und Dir Veränderungen wünschst, dann starte mit der Selbstbeobachtung. Am besten schreibst Du alles bemerkenswerte auf, was Dir im Alltag in Bezug auf Deine Fragen zur Vaterrolle widerfährt.

Du wirst erstaunt sein, was Du für Aha-Momente erlebst, wenn Du Dir Dein Geschriebenes nach wenigen Tagen oder Wochen durchliest. Wahrscheinlich erkennst Du Muster, die sich wiederholen, und Dir oft den Familienalltag versauern.

Wichtig hierbei: Du schreibst über Dich selbst: Deine Gedanken, Deine Gefühle, Deine Reaktionen in bestimmten Situationen des Familienalltags. Es geht nicht um Bewertung, nicht um Verurteilung. Es geht darum zu beobachten. Interpretationen und Bewertungen über Deine Familienangehörigen sind ebenfalls tabu- weil es nicht hilfreich ist!

Glaube mir: es ist das allerbeste bei Dir selbst zu bleiben. Das ist ein wichtiger Punkt, und dazu erfährst Du noch mehr in der Woche „Väter in Familien“.

Wenn Du Meister Deiner Selbst wirst, weil Du Dir selbst bewusst bist, wird es Dir leichter fallen Dich abzugrenzen: denn dann weißt Du  genau, was Du nicht mehr willst und was Du besonders gut meisterst. Diese Bestandsaufnahme ist die Basis, um in eine gewünschte Veränderung zu kommen.

Aber bei Veränderung sind wir  an dieser Stelle noch nicht: eines nach dem anderen. Und bloß keinen Stress aufkommen lassen.

Ein weiterer Tipp: schau Dich einmal in Deinem Freundes- und Bekanntenkreis um: gibt es da ein Vorbild  für die Vaterrolle? Dann kommt miteinander ins Gespräch. Ein echtes Gespräch unter Männern kann doch richtig gut tun, oder?

Falls Du kein Vorbild erblicken kannst, mach einmal die Ohren auf: geht es anderen ähnlich wie Dir? Dann schließt Euch zusammen. Macht eine Männerrunde zum Thema Vater-Sein. Wir brauchen alle unsere Buddys. Nutz das für Dich!

Empfehle gerne diese Themenwoche weiter an Deine Kumpels, die es ebenfalls hilfreich finden könnten. Schick Ihnen einfach den Link zu diesem Blogbeitrag: Themenwoche Väter in Familien

Es ist ok, nicht zu wissen wie dieses Vater-Ding funktioniert

„Früher war das alles anders: Mein Vater hat nicht viel gesagt, aber wenn, dann gab es klare Ansagen.

Ich will respektvoll und liebevoll mein Kind begleiten. Aber manchmal bin ich verunsichert, wie das funktionieren soll.“

JA, es ist Dein gutes Recht, Dich in Deiner Vater-Rolle zu finden. Und soll ich Dir was sagen: Dass Du Dir  darüber Gedanken machst, ist schon viel mehr als die meisten tun, richtig? Das ist ein wertvoller Schritt, den Du hier gegangen bist: Dich selbst zu hinterfragen. Damit tust Du Dir und Deiner Familie schon einen großen Gefallen- so ist das nämlich!

Glaube mir: es ist viel wertvoller sich selbst zu hinterfragen, als ungefragt das nachzuahmen, was Du von früher kennst, oder Dein Umfeld Dir vorlebt. Nicht alles was scheinbar „normal“ ist, macht Dich in Deinem Leben glücklicher. Traue Dich die Meinungen von „das macht man eben so“ ebenfalls zu hinterfragen: beobachte Dich, ob Dir dieser Glaube in allen Situationen weiterhilft, oder Du Dich verbiegst. Und Du ahnst es sicherlich schon: Verbiegen führt immer in den Stress!

Ich freue mich, wenn Du weiter gehst, und forschst, wie Du Deine Rolle als Vater selbst gestalten willst- nach Deinen Vorstellungen und Werten.

Du hast  Dich dafür entschieden? Großartig!

Dann suche Zettel oder Notizbuch und Stift und starte mit der Selbstbeobachtung.

Denk daran Du willst noch nichts verändern: Du willst erst mal mehr Dich selbst verstehen. Das ist die Basis um später überhaupt aktiv in die Veränderung zu kommen.

Schreib alle Gedanken, Gefühle und Reaktionen auf, die Dir in Deinem Alltag als Vater bemerkenswert vorkommen. Sammele ein paar Tage und lese Dir das Gesammelte erneut durch und erkenne Neues an Dir!

Wenn Du Mutter bist, kannst Du auch gerne in die Beobachtung gehen:

  • in welcher Vater-Rolle siehst Du Deinen Mann?
  • Wie würdest Du die verschiedenen Rollen bezeichnen?
  • An welchen Dingen machst Du Deine Beobachtungen fest?

Achtung, nur das was Du wirklich in Situationen beobachtet hast, ist relevant. Mach Dir immer bewusst: es sind reine Beobachtungen, die Du festhältst. Wie Dein Mann in diesen Situationen denkt und fühlt, weißt Du nicht! Vielleicht können Deine Beobachtungen ein wertvoller Gesprächsaufhänger sein:

„Schatz, ich habe beobachtet, dass…

Wie hast Du Dich in dem Moment gefühlt als….“

Interpretiere und bewerte das Verhalten Deines Mannes nicht, und mache es nicht zum Vorwurf: denn dann wird ein Gespräch meistens von Beginn an im Keim erstickt, oder es kocht über.

So geht es weiter bei "Väter in Familien":

Heute haben wir uns angeschaut was Dich alles in Deiner Vater-Rolle beeinflusst: alte Rollenbilder, alte Erfahrungen und gesellschaftliche Regeln von „das macht man so….“

Erforsche beständig was diese Einflüsse mit Dir machen. Du wirst immer wieder was entdecken, was Du hinterfragen kannst. Vielleicht triffst Du sogar die Entscheidung  Dich von Verhaltensmustern zu befreien. Dieser Prozess ist fortlaufend- und das ist ok! Stress Dich nicht!

Morgen geht es weiter mit der Erforschung des Bildes, das Deiner eigenen Vorstellung vom Vater-Sein entspricht.

Auch hier gilt: alles darf, nichts muss!

Ich freue mich, wenn Du den nächsten Schritt gehst!

Du schaust gerne Videos?

Hier der Beitrag auf Youtube:

Du hast Fragen oder Anregungen?

Zögere nicht mich anzuschreiben.

Ich freue mich über Austausch!

Väter in Familien: Knechtender Versorger oder gefühlvoller Teilzeit-Dad?

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