Väter sind keine Kopien von Müttern

Warum Väter eigene Wege finden dürfen

„Grundsätzlich entscheidet meine Frau, wie das mit den Kindern zu laufen hat. Sie hat sich da auch wirklich viel informiert.

Manchmal ist meine Frau überfürsorglich. Da denke ich mir: wie soll das Kind da selbständig werden? 

Die Frage ist: soll ich mein Ding durchziehen und Stress mit meiner Frau riskieren? Oder mache ich es gleich meiner Frau recht?“

Müssen Väter wie Mütter sein?

Im ersten Teil der Woche „Väter in Familien“ haben wir bereits festgestellt: es fehlt oft an Vorbildern für den Vater der heutigen Zeit. Lies hierzu gerne den Beitrag „Knechtender Versorger oder gefühlvoller Teilzeit-Dad“.

Die fehlende Erfahrung für das Rollenbild eines den Familienalltag mitgestaltenden Vaters führt häufig dazu, dass Väter sich an den Müttern orientieren und ihnen den Umgang mit den Kindern nachahmen

Die Frage ist, wem dient das wirklich?

  • Brauchen Kinder einen Vater, der alles der Mutter gleich tut?
  • Fühlen Väter sich verstanden und wohl in der eigenen Haut, wenn sie Beziehung gestalten nach den Vorstellungen und Empfindungen der Frau?
  • Brauchen Mütter die  Bestätigung, dass sie alleine Recht haben wie Kinder begleitet werden müssen? Oder gibt es eine Sehnsucht nach gemeinsamer Gestaltung und somit Entlastung in der Verantwortung wie  Entscheidungen im Familienleben getroffen und gelebt werden?

Ich stelle mir vor, wie diese Fragen Widerstand in Dir als Leser erzeugen: Bist Du erstaunt oder sogar entrüstet, wenn Du diese Fragen liest?

Vielleicht hast Du bereits Antworten für Dich gefunden, die Dir Ruhe und Frieden im Familienalltag bescheren. Wunderbar, dann bist Du auf Deinem Weg!

Falls Du merkst, dass diese Fragen in irgendeiner Weise im Zusammenhang stehen könnten mit den Unstimmigkeiten, die Du immer wieder in Eurem Alltag feststellst, dann freue ich mich über Deine Offenheit, den Dingen auf die Spur zu kommen.

Lies weiter und schau welche Gedankengänge Dir für Deine eigenen Antworten hilfreich sind.

Weiß sie wirklich besser Bescheid?

Frauen haben in der Regel einen Vorteil was die Gestaltung von Beziehungen betrifft: sie waren von jeher diejenigen, die sich um die Familie gekümmert haben. Sie haben sich durch die Begleitung der Kinder immer wieder in Auseinandersetzung mit Gefühlen erlebt: denn Kinder und Gefühle gehören zusammen, oder?

Männer hingegen sind in der klassischen Rollenverteilung den Großteil des Tages in der Arbeitswelt unterwegs. Hier haben in der Regel Gefühle keinen Platz. Im Gegenteil: Funktionieren, rationales Denken und Leisten sind die Maßstäbe, die auch heutzutage oft gelten. Sollte es uns wundern, dass dieses einen prägenden Einfluß hat?

Welche Chance hatte also der Vater die Gestaltung von Beziehungen, den Umgang mit Gefühlen, tatsächlich zu erleben, auszuprobieren, und seinen Weg zu finden?

Heute wollen Väter vermehrt  den Platz in der Familie einnehmen, und nicht mehr außen vor stehen. Auch Mütter fordern die Gleichberechtigung zwischen Mutter und Vater immer mehr. Und das ist in meinen Augen eine gute Entwicklung in unserer Gesellschaft. Jedoch glaube ich, dürfen wir uns hier bewusstes Üben erlauben, da wir zu den ersten Generationen gehören, die dieses neue Familienbild leben wollen.

Wenn wir uns dessen bewusst sind, bleibt die Frage: haben Frauen auf Grund ihrer Erfahrungen das Recht den „richtigen“ Umgang mit den Kindern besser zu wissen und somit die Erwartung zu stellen, dass der Mann es ihnen gleich tut?

Die Antwort ist für micht nicht absolut. Bestimmt gibt es Situationen, wo wir  sagen: Ja, da hatte die Mutter recht, denn ihre Sicht steht für das Wohl des Kindes. Aber im Allgemeinen können wir nicht davon ausgehen, dass die Mutter das Recht auf Wissen zur Kindererziehung gepachtet hat, oder? Denn das würde bedeuten, dass der Vater mit seinen individuellen Erfahrungen, seiner Sicht auf das Leben und die Welt, seinen besonderen Fähigkeiten und Stärken, nicht gleichwertigen Einfluss hat in der Beziehungsgestaltung zum Kind. Und das steht dem Wunsch nach Gleichberechtigung in der Rolle der Eltern entgegen. 

Würde es nicht uns alle entspannen, wenn wir unsere eigenen Erfahrungen und Vorstellungen mit einfliessen lassen dürfen in die Begleitung der Kinder? Ich glaube JA! Der Vater steht nicht mehr unter dem Erwartungsdruck von richtig und falsch, und ist dadurch in dem Aufbau der Beziehung zu seinem Kind befreit- und somit bestimmt aktiver und motivierter. Die Mutter erfährt durch das Loslassen von Erwartung ebenfalls Entspannung: denn sie kann vertrauen, dass der Vater die Zeit mit seinem Kind gut und gerne gestaltet, und dadurch ihre Beziehung gestärkt wird. In der Folge wird die Mutter ein gutes Gefühl haben, wenn sie sich aus der Familienzeit bewusst herauszuziehen möchte, um sich um sich selbst, ihre Interessen, und ihre berufliche Entwicklung zu kümmern.

Und wie geht es dem Kind dabei?

Für Kinder ist es eine Bereicherung zu erkennen, dass Menschen unterschiedlich sind. Und das gilt auch für Mutter und Vater. Zu erleben, dass der Vater anders denkt und fühlt als die Mutter, und wie mit dieser Unterschiedlichkeit im Alltag respektvoll umgegangen wird, ist ein Schatz für das prägende Bild von Familie, was das Kind mit in sein eigenes Erwachsenenleben tragen darf.

Wenn hingegen der Kampf um das Recht haben im Familienalltag im Mittelpunkt steht, wird auch das einen Einfluß auf das Bild vom Umgang im Familienleben auf das Kind haben.

Rein in den Kreis, statt außen vor

Die Ausrichtung für gleichberechtige Eltern-Rollen im Familienleben könnte also heißen: den Vater in den Familienkreis noch mehr reinzulassen. Das braucht natürlich die Bewegung von beiden Seiten: Der Vater, der rein gehen will; und die Mutter, die den Platz im Kreis auf macht.

In einem Kreis gelten 2 Dinge: alle sind gleichwertig und alle sind miteinander verbunden. Was kann das nun für das Familienleben bedeuten?

Ich sprach schon von der Gleichwertigkeit in der Gestaltung von Beziehungen: jeder darf sich mit seinen Erfahrungen, Vorstellungen, Werten und Bedürfnissen einbringen. Keiner steht über oder unter dem anderen.

Gleichzeitig sind wir im Kreis verbunden; das heißt es gibt eine Definition von WIR und GEMEINSAM. Um das WIR zu gestalten braucht es Kommunikation, und Vereinbarungen, die für alle gelten.

Genau diese beiden Merkmale sind es, die oft für Reibung sorgen und vielleicht den Eindruck erwecken „kann nicht funktionieren“. Dann greifen wir zu alten Mitteln, die uns selbst so oft widerfahren sind: wir versuchen den anderen so zu verbiegen, dass eine Gestaltung des WIR nach unseren Vorstellungen gelingt. Dabei sehen und hören wir die Bedürfnisse des anderen nicht mehr. Distanz zum anderen stellt sich ein, und in der Folge wird die Stimmung frostig oder kocht über in der Familie.

Die Gleichwertigkeit und das WIR zu vereinen, mag ebenfalls ein neuer Weg sein, um Nähe und Vertrauen im Familienkreis zu leben. Deswegen dürfen wir auch diesen Weg üben. Und nachsichtig mit uns sein, wenn er nicht immer gelingt.

Vielleicht ist dieser Weg auch nicht Deiner? Frage Dich selbst, was Du in Deiner Familie im Miteinander erleben willst. Wenn es Nähe, Vertrauen, Offenheit, Respekt, Gleichwertigkeit sind, dann lass Dich nicht abschrecken, falls Du jetzt noch nicht sehen kannst, wie dieser Weg konkret verlaufen soll. Die Ausrichtung ist wichtig. Die Gestaltung im Alltag wird sich immer mehr formen durch Ausprobieren und erkennen, was gut und was nicht gut bei Euch in der Familie funktioniert. Dafür darfst Du losgehen, um diese Erfahrungen zu sammeln.

Ich begleite Dich gerne noch ein Stück dieses Weges. In der Woche „Väter in Familien“ erhältst Du weitere Impulse zum Beispiel zu den Themen Partnerschaft, Vereinbarkeit Familie und Beruf, Kommunikation in der Familie. Nimm diese Impulse mit auf Deinen Weg.

Wie finde ich mein eigenes Vater-Bild?

Bevor das WIR gestaltet werden kann, ist es erst einmal wichtig, dass Du weißt, wer Du wirklich bist. Was sind Deine Werte und Bedürfnisse? Welche Vorstellung eines Vater-Bildes willst Du verwirklichen?

Um das herauszufinden, darfst Du Dir bewusst Zeit nehmen. Denn im hektischen Alltag haben wir nicht den Kopf dafür frei, uns neu zu erfinden. Manchmal fällt es uns auch nicht leicht die Filter von alten  Rollenbildern und Erwartungen anderer auszuschalten, und unsere eigenen Vorstellungen, die wirklich uns selbst entsprechen, zu finden.

Ich empfehle Dir daher Dir ungestörte Zeit zu gönnen, und die Fragen für Dich in Ruhe zu beantworten. Schreib Deine Antworten auf, denn sie sind wichtig für die Gestaltung des WIR im Familienleben.

  • Welche Werte im Familienleben sind mir wichtig?
  • Welche Eigenschaften, Fähigkeiten, Erfahrungen machen mich aus, und sind mir wichtig an meine Familie weiter zu geben?
  • Was wünsche ich mir, dass mein(e) Kind(er) später als Erwachsene(r) über mich erzählen?
  • Was gelingt mir heute in der Beziehung zu meinem Kind schon so gut, dass ich es beibehalten möchte?
  • Welches Verhalten -in welchen Situationen- missfällt mir, und möchte ich gerne ändern?

Sei auch hier nachsichtig mit Dir, wenn Dir nicht alle Antworten gefallen sollten, die Du auf Deinem Zettel liest. Es geht niemals um Perfekt-Sein. Es geht niemals darum, alles auf einmal umzuschmeißen und verändern zu wollen. Dein Bewusstsein zu schärfen durch diese Selbstreflexion ist der Gewinn mit dieser Aufgabe: und das ist bereits ein großer Gewinn für Dich und Deine Familie.

Wenn Du als Mutter diesen Beitrag liest: gehe gerne selbst mit diesen Fragen in die Reflexion zu Deiner Rolle als Mutter. Es wird auch Dich bereichern. Vielleicht kannst Du danach Deinen Mann einladen, die Fragen für sich selbst zu beantworten. Dann habt Ihr eine gute Basis um in die Gestaltung des WIR einzusteigen. Einen Versuch ist es wert, oder?

So geht es weiter bei "Väter in Familien":

Heute haben wir uns angeschaut wie die Rollen als Eltern gestaltet werden können. Als Bild dient hier der Kreis, in dem die Gleichwertigkeit und das WIR gleichzeitig Bestand hat.

Im nächsten Impuls von „Vätern in Familien“ geht es um die Beziehung als Paar. Denn auch als Eltern, gibt es die Paarbeziehung, die sich jedoch durch die Ankunft von Kindern meist stark verändert.

Ich freue mich, wenn Du den nächsten Schritt des Weges mit mir gehst! Empfehle diese Serie  gerne weiter an Mütter oder Väter, die ebenfalls von den Denkanstößen profitieren können. Vielen Dank!

Du schaust gerne Videos?

Hier der Beitrag auf Youtube:

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Ich freue mich über Austausch!

Väter in Familien: Väter sind keine Kopien von Müttern

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