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Verantwortung für Deine Gefühle übernehmen

In den letzten Beiträgen habe ich darüber geschrieben, dass es wichtig ist, seine eigenen Bedürfnisse, aber auch die Bedürfnisse der anderen Familienmitglieder  zu erkennen und zu berücksichtigen.

Auch macht es für mich  einen Riesen-Unterschied, ob ich im Konfliktfall mit meinem Kind in Beziehung bleibe, oder über die Bedürfnisse des Kindes hinweg gehe und versuche mit Druck meinen Willen durchzusetzen.

In Gesprächen mit Eltern höre ich häufiger den Einwand: „Aber das Verhalten meines Kindes macht mich dann so wütend…..“

Oder: „Mein Kind testet doch seine Grenzen aus und will mich mit seinem Verhalten einfach provozieren….“

Denken wir einmal darüber nach, was diese Sätze genau bedeuten, dann müssen wir zugeben, dass wir mit diesen Aussagen unseren Kindern die Verantwortung überstülpen, welche Gefühle wir selbst empfinden.

Also ganz einfach ausgedrückt: ist das Kind brav -also hat es gute Laune und folgt uns ohne Widerworte- dann haben wir vielleicht eher ein entspanntes Gefühl und sind froh.

Ist das Kind allerdings wütend und versucht seinen eigenen Willen durchzusetzen, schreit oder weint die ganze Zeit, dann empfinden wir Eltern oft ein Gefühl von Stress. Vielleicht verbirgt sich hinter diesem Stressmoment ein Gefühl von Hilflosigkeit, Trauer oder Wut in uns selbst.

Aber ist es denn nun tatsächlich so, dass unsere Kinder mit ihrem Verhalten die Verantwortung für unsere Gefühle tragen? Vielleicht sogar Schuld daran sind, wie wir uns fühlen? Fühlen wir uns vielleicht sogar als Opfer unserer Kinder, weil wir uns ihnen ohnmächtig ausgeliefert fühlen? Weil sie schließlich Tag für Tag dafür sorgen, ob wir uns entspannt oder gestresst fühlen?

Ich sage: nein!

Deine Gedanken lösen Deine Gefühle aus

Für unsere Gefühle sind wir genauso wie für unsere Gedanken selbst verantwortlich.

Im ersten Schritt sollten wir  trennen zwischen Auslöser und Ursache von Gefühlen. Welches Gefühl löst das weinende oder vor Wut schreiende  Kind bei Dir aus?  Liegt hinter diesem Stress, der in Dir aufsteigt, vielleicht ein Gefühl von Wut oder Hilflosigkeit? Ja, sehr gut möglich, dass das Kind bei Dir zum Beispiel Wut auslöst, aber hat dein Kind dieses Gefühl auch wirklich verursacht?

Dazu müssten wir uns erst mal damit beschäftigen, wie Gefühle eigentlich entstehen. Natürlich geht das im Allgemeinen so schnell, dass wir oft gar nicht wahrnehmen, was passiert ist, bevor dieses Gefühl über uns kommt und uns in Besitz nimmt.

Ich stelle Dir hier einmal sehr grob vereinfacht dar, was bis zu Deinem Gefühlsausbrauch  passiert:

  • Wir nehmen einen Auslöser wahr, zum Beipiel die Situation mit unserem wütenden Kind
  • Wir bewerten diese Situation in dem blitzschnell bestimmte Gedanken (bewusst und unbewusst) in uns aufsteigen. 
  • Die Art unserer Gedanken bestimmen auch die Art der Gefühle, die nun ausgelöst werden. In der Regel sind das die Gefühle, die wir bei der Art unserer Gedanken bereits in der Vergangenheit erfahren haben. Das heißt, die wir auf Grund unser Erfahrungswerte damit verknüpfen.

Wir schauen konkreter auf unser Beipiel: Das Kind schmeißt sich vor Wut auf den Boden an der Supermarktkasse und hört einfach nicht auf zu wüten und zu schreien. Dann könntest Du  Gedanken haben wie: “Oh man, ich weiß gar nicht, wie ich das Kind beruhigen soll. Was sollen bloss die anderen Leute an der Kasse von mir denken?“ Diese Art von Gedanken lösen natürlich blitzschnell ein Gefühl von Hilflosigkeit, oder vielleicht sogar Scham bei Dir aus. Und deshalb bist Du dann bemüht die Situation so schnell wie möglich zu ändern. Nun hat also das Verhalten Deines Kindes tatsächlich diese Gedanken und damit auch die Gefühle ausgelöst. Aber das Gefühl von Scham und Hilflosigkeit hat sicherlich eine andere Ursache. Oder?

Um das zu hinterfragen kannst Du Dir überlegen, welche Erfahrungen dazu geführt haben, dass Du das Gefühl von Scham kennen gelernt hast. Und warum diese Situation mit Deinem Kind Dich nun daran erinnert, und wieder dieses Gefühl auslöst.

Der Vater des wütenden Kindes könnte zum Beispiel auf den Wutanfall  an der Supermarktkasse sehr gelassen reagieren, und kein Gefühl von Hilflosigkeit oder Scham empfinden. Warum ist das so? Das Verhalten des Kindes ist ja dasselbe. Aber der Vater hat  vielleicht andere Gedanken als die Mutter. Zum Beispiel könnte er denken: „Ach, das kenne ich ja schon. Das ist in ein paar Minuten auch wieder vorbei. Das gehört zum Alter des Kindes dazu…“

Und dementsprechend stellt sich ein Gefühl von Akzeptanz und Gelassenheit bei ihm ein.

Gefühle können sich unabhängig von äußeren Umständen verändern

Um das ganze noch mal zu verdeutlichen, dass wir selbst die Gefühle zu verantworten haben und nicht unsere Kinder, möchte ich gerne eine kurze Geschichte erzählen. Sie stammt aus dem Bereich der gewaltfreien Kommunikation, und ich erzähle sie nun frei nach, so wie sie mir in Erinnerung geblieben ist:

Eine Frau steigt früh morgens in die U-Bahn, um zur Arbeit zu fahren. Sie ist noch etwas müde und setzt sich auf einen Platz. Sie genießt die Ruhe, da noch nicht viele Fahrgäste zugestiegen sind. An der nächsten Haltestelle steigt ein Mann mit seinen zwei Kindern ein. Der Vater setzt sich gegenüber von der Frau und schließt die Augen.  Die Kinder laufen durch die Bahn und fangen an lautstark miteinander Fangen zu spielen. Der Vater reagiert nicht darauf, worüber sich die Frau innerlich ärgert. Die Fahrt geht so weiter: die Kinder werden immer lauter, doch der Vater reagiert nicht. Die Frau wird immer wütender, weil sie sich in ihrer Ruhe gestört fühlt. Schließlich platzt ihr der Kragen, und  sie spricht den Vater an: „Merken Sie denn gar nicht, dass die Kinder die anderen Fahrgäste stören? Warum kümmern Sie sich nicht um sie? Wie sollen sie denn so ein angemessenes Verhalten lernen?“ Der Vater schreckt auf und schaut die Frau irritiert an: „Oh, Entschuldigung. Ich habe gar nicht wahrgenommen, dass meine Kinder die anderen Fahrgäste stören. Sehen Sie, ich war so in Gedanken versunken. Wir kommen gerade aus dem Krankenhaus, wo meine Frau heute verstorben ist. Ich weiß noch nicht, wie es bei uns zu Hause weitergehen soll. Und ich glaube, dass meine Kinder die Nachricht über den Tod ihrer Mutter im Moment auf diese Art und Weise verarbeiten.“ Die Frau erschreckt sich und hat Mitgefühl mit dem Vater und seinen zwei Kindern. Für den Rest der Fahrt beobachtet sie die Kinder, die weiterhin laut durch die Bahn hüpfen. Sie fühlt Traurigkeit, wenn sie darüber nachdenkt, wie die nächsten Wochen und Monate dieser Familie wohl verlaufen müssen.

Diese Geschichte zeigt ganz deutlich zwei wesentliche Dinge:

1. Unsere Gedanken bestimmen unsere Gefühle:

Am Anfang hat die Frau sich Ruhe gewünscht, und hat wahrscheinlich Dinge gedacht wie: „Die Kinder sollten hier ruhig auf ihren Plätzen sitzen. Warum können sie sich nicht benehmen? Sie stören mich in meiner Ruhe. Das gehört sich nicht. Der Vater sollte hier eingreifen. Wie egoistisch von ihm.“

Diese Art von Gedanken haben bei ihr Wut ausgelöst.

Als sie dann die Geschichte des Vaters über den Tod der Mutter hörte, hatte sie andere Gedanken. Vielleicht dachte sie etwas wie: „Die armen Kinder- welch ein Schicksal sie ertragen müssen.  Wie hilflos muss der Vater nun sein?“

Sie fühlte keine Wut mehr, sondern Mitgefühl und Traurigkeit.

2. Wir allein sind für die Art unserer Gefühle verantwortlich

Das Verhalten der Kinder hat sich während der ganzen Geschichte nicht verändert! Sie waren am Anfang laut und sind wild durch die Bahn getobt, und am Schluss waren sie es immer noch. Aber das Gefühl der Frau änderte sich trotzdem. Also unabhängig vom Verhalten der Kinder war der Wechsel der Gefühle möglich.

Vielleicht erinnerst Du Dich in der nächsten Situation daran: Wenn Du merkst, dass Du wütend auf Deine Kinder wirst, weil sie nicht das Verhalten zeigen, dass Du in dem Moment gerade gerne hättest,  dann frage Dich: tragen meine Kinder die Verantwortung für meine Wut, oder sind es meine Gedanken und Bewertungen? Meine Kinder haben gerade etwas ausgelöst, aber die Ursache liegt in mir: Meine eigenen Gedanken, Bewertungen und Erfahrungen aus der Vergangenheit haben das Gefühl verursacht.

Übrigens gilt wie immer der Hinweis: Was in der Beziehung zu unseren Kindern gilt, kannst Du genauso gut auf die Beziehung zu Deinem Partner oder anderen Menschen übertragen. Das heißt auch dieser gängige Vorwurf, den wir bestimmt alle schon mal erhoben haben: „Du machst mich wütend; Du machst mich traurig; Du raubst mir meine Nerven“ usw.  Diesen Vorwurf können wir nun getrost hinterfragen, und uns überlegen was diese Situation, die diese Gedanken und Gefühle in uns auslöst, eigentlich mit uns selbst zu tun hat. Und nun kommt die gute Nachricht: Wenn wir wissen, dass sie etwas mit uns selbst zu tun hat, dann haben wir die Möglichkeit auch etwas zu verändern. Denn wir haben immer die Möglichkeit Dinge bei uns selber zu verändern. Das Verhalten anderer zu verändern gestaltet sich schwierig. Oder ist eigentlich gar nicht möglich, was meinst Du? Wenn es aber in unserer eigenen Verantwortung liegt, haben wir auch die Macht es zu verändern. Und  somit sind wir dem anderen gar nicht ohnmächtig ausgliefert. Ist das nicht wunderbar?

 
 
 
 

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Ich wünsche Dir eine bewusste Zeit mit Dir selbst und Deiner Familie.

Alles Liebe

Deine Melanie

Verantwortung für Deine Gefühle übernehmen

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