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Warum ist es wichtig zu trösten? Und warum fällt uns das oft so schwer?

Zum Thema Trost möchte ich vorab Folgendes sagen:

Grundsätzlich finde ich es für jeden Menschen wichtig, dass er Trost spenden kann und auch für sich selbst Trost entgegennehmen kann. Trost für sich selbst zu finden, ist für mich ein wesentlicher Faktor um mit Stress umzugehen. Also, wenn Du auf der Suche nach einer guten Strategie bist, um für Dich Alltagsstress zu reduzieren, dann lege ich Dir  den Beitrag „Selbstmitgefühl als Mittel gegen Stress“ ans Herz. Dort geht es unter anderem darum, wie wir mitfühlend und tröstend mit uns selbst umgehen können.

In diesem Beitrag liegt nun aber der Fokus bei den Kindern: Warum ist es für Kinder wichtig getröstet zu werden? Was bedeutet Trost? Hier spielen auch Hintergrundinfos zur Entwicklungspsychologie unserer Kinder mit rein. Aber wie es meiner Meinung nach immer der Fall ist: wir können uns gar nicht nur auf das Kind fokussieren ohne den Rückschluss auf uns selbst und unser eigenes Verhalten als Erwachsener zu führen!

Was ist mit Trost gemeint?

Trost bedeutet das Leiden des anderen zu sehen. Es bedeutet nicht das Leid verstehen zu müssen;

Trost bedeutet zu respektieren, dass der andere einen Schmerz fühlt, und dementsprechend den anderen respektvoll zu begleiten.

Trost bedeutet nicht, die Wut, die Trauer oder den Schmerz des anderen schnell weg machen zu müssen. Und auch nicht, für den anderen schnell eine Lösung finden zu müssen.

Trost bedeutet den anderen zu begleiten, für ihn da zu sein.

In meinem Umfeld höre ich oft Eltern, die auf ihre Kinder folgendermaßen reagieren, zum Beispiel, wenn das Kind hingefallen ist:

 „Es ist doch gar nix passiert…steh jetzt auf…stell dich nicht so an….“

Ich unterstelle hier niemanden eine böse Absicht mit dieser Reaktion! Es gibt verschiedene Gründe warum Eltern/ Erwachsene so reagieren. Zum Beispiel:

Diese Sätze habe ich selber gehört als Kind, also ist das auch mein Empfinden, das Trost so funktioniert.

Oder vielleicht läuft auch folgender Gedanke im Hintergrund:

Ich will schnell das Geschrei meines Kindes abstellen, was sollen denn die anderen sonst denken?

Oder:

Ich bin gestresst, weil das Kind heute schon zum 3.Mal kräftig brüllt und ich habe keine Energie und Geduld mehr. Die Stresswelle steigt in mir hoch und überrollt mich förmlich, und dann purzeln so Sätze aus mir raus, die ich eigentlich gar nicht mehr sagen wollte.

Oder:

Jungs sollen nicht heulen.

Oder:

Ab einem gewissen Alter muss das Kind da auch mal abgehärtet werden, sonst wird mein Kind noch zum Weichei, zur Heulsuse usw.

Bei jedem können dort andere Motive im Hintergrund bewusst oder unbewusst ablaufen.

 

Was möchte unser Kind erfahren, wenn es Trost sucht?

Trost bedeutet: „Ich werde gesehen, Mama sieht meinen Schmerz…“ (Vielleicht verstehst du in dem Moment den Schmerz nicht, aber das ist nicht das wichtige…)

Das Kind möchte erfahren: Ich werde ernst genommen, meine Gefühle werden ernst genommen, ich bin ok so wie ich bin…

Vielleicht hilft Dir ein Perspektivwechsel um das Bedürfnis hinter dem Trost zu sehen? Stell Dir vor, Du sitzt abends weinend auf dem Sofa. Dein Mann kommt rein und sagt: „Oh, das hast Du doch gestern Abend schon gemacht… Jetzt stell Dich doch nicht so an. Du nervst mich mit Deinem Geheule….“Wie wirst Du Dich dann fühlen?

Und unser Kind erlebt diese Gefühle natürlich auch, wenn wir versuchen über seinen Schmerz schnell weg zu gehen, oder sogar wütend oder gestresst darauf reagieren:

Ich werde nicht ernst genommen…

ich bin nicht ok in diesen Momenten

ich darf nicht weinen, um Mama zu gefallen

ich muss tapfer sein

ich bin nicht richtig

ich darf jetzt nicht so sein…

Und auch wenn unser Kind diese Sätze noch nicht ausformulieren kann, dennoch zieht es für sich eine Schlussfolgerung mit einem Gefühl von „nicht-richtig-sein“ in diesen Momenten.

Und diese Schlussfolgerungen/ Gefühle, die beim Kind entstehen, gehen immer gegen den Selbstwert des Kindes. Und da macht es die Wiederholung dieser und ähnlicher Erfahrungen, die eine Wunde im Selbstwert des Kindes entstehen lassen können. Und uns dann auch bis in unser Erwachsenenleben verfolgen.

Im Gegensatz dazu, wenn unser Kind „echten“ Trost erfährt, dann stärken wir unser Kind. Denn es zieht in diesen Momenten für sich die Schlussfolgerungen:

Mama sieht mich

Mama nimmt mich ernst

Auch wenn ich weine bin ich ok

Ich bin ok, so wie ich bin- ohne Bedingung…

Trost stärkt den Selbstwert Deines Kindes und Eure Bindung zueinander. Denn beim Kind wächst in diesen Momenten Vertrauen: auf Mama kann ich mich verlassen!

Kinder brauchen unsere Unterstützung beim Trösten und lernen so Strategien für ihre Zukunft

Der zweite wesentliche Aspekt, warum Trost für unsere Kinder so wichtig ist:

Kleinkinder können sich noch nicht alleine trösten, das ist einfach vom Stand ihrer Entwicklung nicht möglich. Ihr Nervensystem kann sich noch nicht selbst herunterfahren, wenn Stresshormone ausgeschüttet werden.Das heißt eine Selbstberuhigung oder Selbstregulation ist noch nicht möglich und baut sich erst über die Jahre (bis hin zur Pubertät) auf.

Kinder müssen erst Strategien lernen wie sie mit Trauer, Schmerz, starken Gefühlen und Stress im Allgemeinen umgehen können. Und das lernen sie anhand von Vorbildern. Also vorrangig durch uns Eltern! Und welche Strategien sollen Deine Kinder später im Umgang mit Stress haben? Sollen sie dann zu sich selbst sagen: „Weinen darf ich nicht. Ich muss mein Gefühl verstecken…“  Ja, ich weiß viele Erwachsene machen das so. Und gesellschaftlich ist das ja auch irgendwo gewollt:  Wir wollen niemanden zur Last fallen, wir wollen uns nicht verletzlich zeigen usw….

Aber jetzt mal Hand aufs Herz: Wir als Erwachsene, -wenn wir ganz ehrlich sind!-, dann wissen wir doch, dass es uns nicht gut tut unsere Gefühle zu verstecken, zu verdrängen, und alles in uns aufstauen zu lassen. Oder? Ich sage nicht, stell Dich jetzt immer heulend auf die Straße. Oder: zeige jedem Deine emotionalen Wunden! Natürlich ist es gut bei Beziehungen mit ausreichend Vertrauen seine Verletzlichkeit zu zeigen. Und dann kann dieser Schritt auch sehr erleichternd sein, und uns nachhaltig helfen. Aber vielleicht ist auch gar nicht immer nötig, jemanden zum Trost zu finden, denn: Du kannst Dich bei vielen Situationen alleine trösten.  Du als Erwachsener kannst das. Du hast Strategien gelernt, die Dir Erleichterung verschaffen und Dein Stresssystem herunter fahren lassen.

Aber unsere Kinder, die brauchen dabei Unterstützung und Zuspruch. Die Gewissheit „da ist jemand, der für mich da ist, und mich nicht verutrteilt“. Dann werden sie später als Erwachsene sich auch selbst mit gesunden Strategien trösten, d.h. vor allem sich nicht verurteilen oder schämen für ihre Gefühle, ihren Schmerz etc.  Auf diese Weise werden sie einen gesunden Weg finden mit ihrem Stress umzugehen und psychisches Wohlbefinden erlangen.

Wenn wir immer wegschauen, und unseren emotionalen Stress verdrängen, herunterschlucken, dann sitzen wir auf einem Pulverfass. Irgendwann wird das Pulverfass explodieren, weil der Druck zu groß geworden ist. Und das trifft  dann mit voller Wucht, weil der seelische Ballast der letzten 20 Jahre auf einmal hochkommt. Dann haben wir es in der Regel mit einem gesundheitlichen Problem zu tun. Psychischer und/oder physischer Natur.

Ich möchte noch einmal den  Zusammenhang hervorheben: Das, was wir unseren Kindern vorleben mit unserem eigenen Verhalten, wird unsere Kinder prägen. Und deshalb ist es so wichtig uns das ganze bewusst anzugucken. Und eben nicht  nur den Fokus auf die Kinder zu richten. Sondern auch immer wieder auf uns selbst zurück zu blicken: Was habe ich jetzt dazu beigetragen? Was lebe ich vor?

Und hier wieder der Hinweis: Es geht nicht um perfekt sein! Ein Bewusstsein für diese Dinge zu entwickeln ist schon so wertvoll. Fehler, schlechte Tage haben wir alle. Aber allein das Bemühen, es dann am nächsten Tag wieder anders zu machen, das ist schon so stärkend für Dein Kind! Und auch heilsam für Dich selbst!

Für diese Botschaft ist das Thema Trost ja nur ein Beispiel. Letztendlich gilt das für alle Dinge, die wir unseren Kindern mit auf den Weg geben wollen. Und das ist, wozu ich Dich mit meiner Arbeit versuche zu inspirieren: den bewussteren Umgang mit Dir selbst zu üben, um dann für Dich selbst besser sorgen und entspannter, leichter leben zu können. Und das hat dann direkten Einfluss auf Dein Familienleben- und auch auf Dein Umfeld im Allgemeinen. Es ist vielleicht in Augen von manchen Leuten sehr utopisch zu glauben, dass alle Eltern anfangen sich dieses Bewusstsein mehr und mehr zu schaffen. Ja vielleicht. Aber jeder einzelne, der damit anfängt eine neue Beziehungsqualität mit sich und seinen Kindern aufzubauen, ist es wert. Denn Kinder, die mit dieser Art von Vertrauen und Bindung  groß werden,  die geben das viel leichter an die nächste Generation weiter. Und so entsteht eine ganz andere Art von Beziehungskreislauf für die folgenden Generationen. Ist es das nicht wert?

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Ich wünsche Dir eine bewusste Zeit mit Dir selbst und Deiner Familie.

Alles Liebe,

Deine Melanie

Warum ist Trost wichtig und fällt uns oft so schwer?

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