Wie das innere Kind Dir den Alltag erschwert

Vielleicht hast Du  schon einmal von dem „inneren Kind“ gehört? Mir begegnet es zur Zeit an vielen Stellen. Um ein populäres Beispiel zu nennen: das Bestseller -Buch von Stefanie Stahl „Das Kind in Dir muss Heimat finden.“ Aber auch viele andere Autoren befassen sich mit diesem Thema. Auch Blogartikel oder Meditationen nehmen auf das innere Kind Bezug. Und wenn Du Dich vielleicht schon mal gefragt hast, was mit dem inneren Kind eigentlich gemeint ist, und  wo in Deinem Alltag Dir Dein inneres Kind begegnet, dann lade ich Dich herzlich ein diesen Beitrag zu lesen.

Was verstehen wir nun eigentlich unter dem Begriff „Inneres Kind“?

Die Arbeit mit dem inneren Kind kommt ursprünglich aus dem psychotherapeutischen Kontext. Allerdings ist es mittlerweile ein Modell, das immer populärer wird, da es meiner Meinung nach gut verständlich ist. Und dieses Modell hilft dabei uns selbst unsere eigenen Gefühle und Reaktionen besser begreifbar zu machen. So wird dieses Modell nicht nur im therapeutischen Kontext verwendet, sondern auch im Coaching oder auch in Selbsthilfebüchern, Blogs, Meditationen und so weiter. Letztendlich bedeutet für mich das Innere Kind: es handelt sich um einen Persönlichkeitsanteil, der in jedem von uns vorhanden ist. Und der sich immer wieder im Alltag äußert- vor allem in emtionalen Situationen. Zum Beispiel dann, wenn wir uns abgelehnt, nicht verstanden, oder ungesehen fühlen.

Es gibt viele verschiedene Modelle, die die verschiedenen Persönlichkeitsanteile in uns beschreiben, zum Beispiel den inneren Erwachsenen, den inneren Ratgeber, den inneren Regisseur, oder es es gibt auch viele innere Kinder und nicht nur ein inneres Kind. Aber ich möchte es gerne an dieser Stelle einfach halten und werde deshalb weiterhin nur von einem inneren Kind sprechen. Und ich setze hier  das verletzte innere Kind in den Fokus, weil dieses nämlich dafür sorgt, dass wir im Alltag uns unverstanden und schlecht fühlen, und auch die Kommunikation mit unseren Mitmenschen erschwert.

Das innere Kind tritt auf die Bühne: Alltagsbeispiele

Um es praktischer zu machen, gebe ich Dir hier Beispiele aus dem Leben. Vielleicht kennst Du diese oder ähnliche Situationen:

Dein Mann kommt nach Hause und ihm fällt nicht auf, dass Du bereits das ganze Haus aufgeräumt hast. Und Deine neue Frisur ist ihm auch nicht aufgefallen. Er zeigt einfach keine Reaktion. Darauf hin fühlst Du eine große Wut in Dir aufsteigen und Du „prügelst“ verbal auf ihn ein: „Das ist wieder so typisch von Dir. Ich weiß gar nicht, warum ich das immer wieder mitmache. Heute kannst du dann mal das Abendessen alleine vorbereiten. Mir reicht es.“ Dein Mann ist völlig überrumpelt und immer noch ahnungslos, was gerade bei Dir los ist. Er geht in den Angriff über: „Deine ewige Meckerei hängt mir zu den Ohren raus. Ich geh dann mit Olli halt ’n Bier trinken.

Wer ist hier gerade auf die Bühne dieser Alltagssituation getreten? Genau: 2 verletzte innere Kinder, die emotional und nicht sachlich reagieren, weil sie beide ihre Bedürfnisse nicht erfüllt bekommen haben. Die Frau hatte das Bedürfnis nach Anerkennung, Wertschätzung.  Der Mann konnte nach dem emotionalen Ausbruch seiner Frau auch nicht ruhig und sachlich- erwachsen- reagieren. Sondern ist durch die Schuldzuweisung seiner Frau gleich in die innere Kind-Rolle verfallen und hat beleidigt einen Gegenangriff gestartet. Hier spricht also „inneres Kind“ mit „innerem Kind“.  So kann es aber zu keiner konstruktiven Auseinandersetzung kommen, sondern jeder ist in seinen verletzen Emotionen gefangen, jeder versucht sich selbst zu schützen. Eine Verbindung zueinander und damit ein gegenseitiges Verstehen, worum es dem anderen geht, bleibt aus.

Anderes Beispiel: Du spielst mit Deinem 3- jährigen Kind. Plötzlich kippt für Dich unerwartet die Stimmung: Dein Kind fängt an wütend zu werden, und irgendwann auch Dich zu hauen. Das löst bei Dir ein Gefühl von Wut aus, weil Du  Dich in Deiner Rolle als Erwachsene nicht respektiert fühlst. Du bist sofort auf 180 und fängst an Dein Kind anzubrüllen und Strafe anzudrohen, wenn es das auch nur einmal macht.

Auch in diesem Beispiel ist die Mutter in die Rolle des inneren Kindes verfallen: eine nüchtern- sachliche Reaktion war für sie nicht mehr möglich, weil das Hauen sie so stark emotional getroffen hat und sie sofort ihre eigenen Grenzen gewahrt wissen wollte. Verstehe mich nicht falsch: es ist natürlich gut und sinnvoll seine eigenen Grenzen zu wahren. Es kommt aber darauf an, wie ich das tue, damit ich auch die Chance auf ein konstruktives Ergebnis habe.

Durch den Wutausbruch der Mutter kann es gut sein, dass sich der Stressmoment mit dem Kind noch verstärkt. Vielleicht indem das Kind noch wütender wird. Denn nun stehen im Ring: Kleinkind gegen inneres Kind. Eine konstruktive Kommunikation wird so kaum möglich sein.

Was möchte das innere Kind Dir sagen?

Wenn wir uns bewusst machen in welchen Situationen unser inneres Kind hervortritt, können wir uns besser selbst verstehen. Wir sind dann auch eher in der Lage unsere Reaktionen für die Zukunft zu ändern. Es geht also bei der Methode mit dem inneren Kind darum zu entdecken, wann das innere Kind uns zu ungünstigen Reaktionen verleitet. Wenn wir das wissen, können wir die Denk- oder Handlungsweisen des verletzen inneren Kindes zu konstruktiven Denk- oder Handlungsweisen verändern. Das wird uns aber nur gelingen, wenn wir auch verstehen, warum das innere Kind so handelt. Und das können wir uns am besten durch diese Frage erklären: Über welches Bedürfnis bin ich (wiederholt) hinweg gegangen, so dass mein inneres Kind wütend, traurig, hilflos… hervortreten musste?

Warum reagiert das innere Kind eigentlich auf diese Weise auf eine Bedürfnisverletzung?

Es ist davon auszugehen, dass dieses Bedürfnis bereits in langer Vergangenheit, meistens in der Kindheit, wiederholt nicht erfüllt wurde. Nehmen wir das Beispiel mit der Mutter und dem hauenden Kind: die Mutter empfindet das Hauen als Grenzüberschreitung (was es  streng genommen auch ist). Aber es bringt ihre Emotionen vielleicht deshalb so unkontrolliert zum Vorschein, weil sie es an Erfahrungen aus ihrer eigenen Kindheit erinnert: Vielleicht wurde sie selbst von ihren Eltern geschlagen? Vielleicht war es auch „nur „ab und zu ein Klaps auf die Finger? Damals hat sie sich als Kind so ohnmächtig und hilflos den Erwachsenen gegenüber gefühlt, dass diese Emotionen im inneren Kind abgespeichert wurden. Und nun wird sie durch das Hauen ihres Kleinkindes daran (unbewusst) zurück erinnert. Das innere verletzte Kind tritt hervor und zeigt nun die ganze Wut. Da es dieses Gefühl von früher -jemand anderem körperlich ausgeliefert zu sein- nicht mehr ertragen kann. Und so kommt es bei der Mutter zu einer emotionalen Entladung. Sie ist in dem Moment nicht in der Lage – quasi aus der heutigen Erwachsensicht- zu unterscheiden: Sie kann in diesem Moment nicht rational erkennen, dass diese Situation nichts mit früher zu tun hat.  Sie denkt nicht rational weiter: „Ich bin hier die Erwachsene, und bin damit dem Kind gar nicht ausgeliefert! Mein Kind ist noch nicht in der Lage anders zu kommunizieren auf Grund seines Entwicklungsstandes mit 3 Jahren….

Bitte versteh mich nicht falsch: das ist hier nur ein Beispiel. Die Reaktion hätte auch ganz anders ablaufen können im Modus des verletzten Kindes. Und das Bedürfnis hinter der Reaktion kann ebenfalls etwas anderes bei jedem einzelnen sein. Hier gibt es keine Allgemeingültigkeit!

Was nützt Dir das Wissen vom inneren Kind?

Es geht darum, bei sich selbst unterscheiden zu lernen: in welchem Zustand befinde ich mich gerade? Bin ich der Erwachsene? Oder bin ich in der Rolle des inneren verletzten Kindes? Nebenbei bemerkt: Wenn Du Dich dabei erwischst in der Rolle des glücklichen Kindes zu sein: Geniesse es in vollen Zügen 😉

Wenn Du Dein inneres verletztes Kind immer besser kennen und verstehen lernst, hast Du die Chance Dich um übergange Bedürfnisse zu kümmern. Und dann kannst Du zukünftig eine andere Reaktion in Momenten zeigen, die Dich vorher emtional aus dem Gleichgewicht gebracht haben. Du hast die Chance ein anderes Verhalten, eine hilfreiche Reaktion zu etablieren. Eine Reaktion, die für Dich selbst, aber auch hilfreich für die Qualität Deiner Beziehungen ist. Egal ob es sich um die Beziehung zu Deinem Kind handelt, oder es sich um all die anderen Beziehungen in Deinem Leben dreht.  Denn das verletze Kind tritt häufiger hervor, als wir uns das meistens vorstellen können. Eben weil wir es nicht bewusst mitkriegen, da wir in unseren Emotionen gefangen sind, und dann der rationale Verstand erst mal aussetzt. Oder wir auch noch nie von dem inneren Kind gehört haben, und es somit uns noch schwerer fällt, überhaupt unser destruktives Verhalten zu erkennen. Aber das hat sich ja spätestens seit heute bei Dir geändert. DU kennst jetzt das Modell vom inneren Kind. Damit hast Du die Chance ab heute darauf zu achten, wann es sich bei Dir zeigt. Kannst Du da ein Muster erkennen? Sind es bestimmte Situationen? Bestimmte Sätze oder Handlungen von anderen? Oder sind es bestimmte Gedanken, die bei Dir auftauchen, bevor unmittelbar danach das innere Kind die Kontrolle über Dich übernimmt?

Probier es einmal aus und lerne Dich besser kennen. Denn nur dann hast Du auch die Chance Muster, die Dich selbst und auch andere im Alltag nerven, vielleicht auch sogar richtig belasten, zu entlarven. Und wenn Du diesen ersten großen Schritt geschafft hast, kannst Du für Dich die bewusste Entscheidung treffen, ob und wie Du diese Muster hilfreich verändern möchtest. Wenn Du dabei Hilfestellung brauchst, melde Dich zu einem Coaching bei mir. Gleich hier über meine Seite oder auch über Facebook.

Eine kurze Zusammenfassung

Das Thema ist sehr komplex und sprengt definitv diesen Blogbeitrag. Heute bin ich erst mal auf die  Basis eingegangen, damit Du ein Grundverständnis für dieses Thema gewinnen kannst.

Hier noch einmal die wesentlichen Punkte kurz zusammengefasst:

  • Was bedeutet eigentlich inneres Kind?

Es handelt sich um ein Modell, das immer populärer wird, und den Persönlichkeitsanteil beschreibt, der sich an emotionale Wunden -meistens aus der Kindheit- erinnert. In diesen Momenten tritt das innere Kind auf die Bühne und übernimmt emotional das Steuer: Es möchte verhindern, den Schmerz, den das Kind damals gespürt hat, noch einmal zu spüren. Nur die Strategien, die es dafür verwendet, sind meistens nicht hilfreich und nicht konstruktiv.

  • Ich habe Dir 2 Alltagsbeispiele genannt

Anhand dessen habe ich Dir den Zweck der Methode beschrieben: von früher ungesehene Bedürfnisse kommen im gegenwärtigen Alltag  zum Vorschein. Durch Kennenlernen der inneren Kind-Muster und Beachtung Deiner unbefriedigten Bedürfnisse kannst Du zukünftig bessere Reaktionen für Dich und Dein Umfeld im Alltag etablieren.

Wenn Du Fragen zu diesem Beitrag hast, wenn Du näher einsteigen möchtest zu dem Thema mit dem inneren Kind, dann melde Dich gerne bei mir. Entweder zum Austausch oder auch gerne zu einem Coaching.

Wenn Du diesen Beitrag in Audio-Form hören möchtest, besuche meine Podcast-Seite.

Schreib mir gerne und lass uns austauschen. Du kannst auch über Facebook oder Instagram mit mir in Kontakt treten.

Finde den Weg zu Dir und Deinem eigenen Wohlbefinden (zurück). So trägst Du zum Familienfrieden bei.

Ich wünsche Dir eine bewusste Zeit mit Dir selbst und Deiner Familie.

Alles Liebe,

Deine Melanie

Wie das innere Kind Dir den Alltag erschwert

3 Gedanken zu „Wie das innere Kind Dir den Alltag erschwert

  • 8. Mai 2019 um 19:22
    Permalink

    Toller Text ich kenne mein inneres Kind es ist für mich sehr anstrengend mich um sie zu kümmern meine Wutausbrüche kommen daher !

    Antworten
    • 8. Mai 2019 um 19:36
      Permalink

      Danke für Deine Rückmeldung. Ja Wutausbrüche zeigen uns ganz deutlich, dass wir uns um das innere Kind kümmern dürfen.
      Es ist auch für mich nicht jeden Tag leicht bei mir zu bleiben. Ich habe aber gemerkt, dass es sich lohnt dranzubleiben, sich auszutauschen, um
      Hilfe zu fragen, sich Zeit und Mitgefühl zu schenken. Nur Mut, Du darfst jeden kleinen Schritt anerkennen. Alles Gute für Dich!

      Antworten
  • 24. Mai 2019 um 13:03
    Permalink

    Ein sehr guter und treffender Beitrag ich spreche aus eigener Erfahrung das innere Kind ist bei mir in mein zwischenmenschlichen Beziehung ganz schnell am Steuer. Genau an dem Punkt bin ich gerade. Nur eine Anmerkung: da das innere Kind ja oft ein Kellerkind ist und nicht umsonst so schnell wütend und traurig und enttäuscht ist weil es eben so viele traurige Erlebnisse gehabt hat nicht gespiegelt wurde oder wenig wenig Empathie und Verlassenheit und auch u.a. psych Missbrauch erfahren hat, finde ich die Überschrift entsprechend wenig kindfreundlich. Ich würde vielleicht den Titel anders wählen ich würde vielleicht schreiben das innere Kind mit ins Boot holen und so den Alltag harmonischer gestalten. Dann diffamiert man das innere Kind nicht schon wieder weil das innere Kind ist schon oft genug geprügelt worden und diese Überschrift wirkt auch so wie das innere Kind erschwert etwas, ist lästig. Das nur als Hinweis. Aber ansonsten top geschrieben und top zusammengefasst vielen Dank. Liebe Grüße, Uta

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